Wuppertaler Grundschulen am Limit

Ein Plädoyer der GEW Wuppertal für die „Ungleichbehandlung“ besonders belasteter Grundschulen in unserer Stadt

Der Zusammenhang zwischen Bildungserfolg von Schülerinnen und Schülern hängt stark von deren sozialer Herkunft ab. Das trifft gerade auch für viele Wuppertaler Schüler*innen zu, die vor extrem ungleichen Ausgangsbedingungen stehen, betrachtet man z.B. die soziale und ethnische Herkunft. Das stellt unsere Stadt vor besondere Herausforderungen, die mit den bisherigen Mitteln nicht zu lösen sind.
Wuppertaler Grundschulen am Limit

Foto: pixabay

Und jetzt auch noch Wuppertaler Grundschulen im Brennpunkt „bevorzugen“ und ungleich behandeln? Ist das gerecht? Die GEW Wuppertal sagt ja, denn gerade die Schulen in den sogenannten Brennpunkten unserer Stadt sind in vielerlei Hinsicht doppelt benachteiligt.

Zum einen leiden sie wie andere Schulen auch unter dem aktuellen Lehrkräftemangel, den Herausforderungen der Inklusion, zum Teil auch unter schlechten räumlichen Bedingungen. Doch zusätzlich müssen sie wesentlich mehr als andere Grundschulen u.a. die Integration von zugewanderten Schülerinnen und Schülern (und deren Familien) stemmen und sind täglich mit den gravierenden familiären Problemen der Kinder konfrontiert.

Mangels Förderung vom Land ist mehr denn je die Stadt Wuppertal gefragt, die besonders belasteten Schulen mit allen kommunalen Möglichkeiten - auch in Zusammenarbeit mit dem staatlichen Schulamt - zu unterstützen. Denn es geht um Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche, die ansonsten zu den Bildungsverlierern von morgen zählen.

Ein Bündnis gegen Armut und für soziale Gerechtigkeit - das hat Oberbürgermeister Andreas Mucke 2017 ins Leben gerufen. Ein guter Ansatz, aber zur Bekämpfung von Armut gehört mehr, vor allem gute Bildung für alle Kinder und Jugendliche, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem sozialen Status und ihrer finanziellen Situation.

Deswegen fordert die GEW besonders belastete Wuppertaler Grundschulen mit gezielter zusätzlicher Förderung und wirksamen Maßnahmen zu unterstützen!

Einige Vorschläge möchten wir bereits jetzt dazu machen:

  • Aufstockung des städtischen Etats für Lehr- und Lernmittel
  • Aufstockung der Stunden der Schulsekretariate
  • Bevorzugung bei der Verteilung von Sozialpädagog*innen nach Bildungs- und Teilhabepaket und für die Schuleingangsphase
  • Gewinnung von zusätzlichen Lehramtsstudierenden für die Unterrichtsbegleitung
  • Senkung der Klassengrößen durch entsprechende Anpassung der kommunalen Klassenrichtzahl
  • OGS-Anspruch für sozial benachteiligte Familien

Wir schlagen vor, dass die Stadt Wuppertal zu Beginn des Schuljahres 2019/20 in einem ersten Schritt ein Forum einrichtet, zu dem alle Grundschulen eingeladen werden, die nach der Wuppertaler Sozialkarte dem roten Bereich zugeordnet sind, um über die dringendsten Problemlagen zu berichten und Unterstützungsbedarfe anmelden zu können.

Was kann darüber hinaus verändert werden?

Als nächsten Schritt fordert die GEW Wuppertal einen Paradigmenwechsel hinsichtlich des seit über 10 Jahren angewandten sozialräumlichen Index (Stichwort Wuppertaler Sozialkarte) hin zu einem sogenannten schulbezogenen und datengestützten Sozialindex.
Der Sozialindex alter Prägung reicht heute nicht mehr aus, um gerade Schulen in Brennpunkten unserer Stadt bedarfsgerecht zu unterstützen. Hier werden lediglich die Schulstandorte berücksichtigt, nicht aber die Wohnorte der Schülerinnen und Schüler. Hinzu kommt, dass mit dem sozialräumlichen Index die soziale Lage der Kinder nur unzureichend erfasst wird, obwohl ausreichend Daten grundsätzlich in jeder Kommune vorhanden sind.

Es stehen bereits Instrumente zur Verfügung, die einen datengestützten und schulbezogenen Sozialindex ermöglichen. Dazu gehören z.B. Informationen der Schuleingangsuntersuchung und der Schulstatistik in sozialer Hinsicht, mit dem sich ein viel detaillierteres Profil der einzelnen Grundschule ergeben würde, denn diese Informationen umfassen neben dem sozialen, ethnischen und familiären Hintergrund der Kinder auch frühkindliche Förderbemühungen sowie die zum Schulstart ermittelten Kompetenzen verschiedener Bereiche. Darüber hinaus können diese zusätzlichen Informationen wesentlich genauer für die Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung als auch für die konkrete Ressourcenverteilung, zum Beispiel für die Schulsozialarbeit, genutzt werden.

Dieser modifizierte Sozialindex könnte ein zentrales Element Wuppertaler Schulpolitik werden, die für mehr Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit sorgt. Andere Kommunen in NRW (z.B. Mülheim a. d. Ruhr) haben sich bereits auf den Weg gemacht und im Rahmen der Schulentwicklungsplanung einen schulbezogenen Sozialindex entwickelt, der die Bedürfnisse gerade von Schulen im Brennpunkt viel genauer in den Fokus nimmt.