Eine Führung durch das Polizeipräsidium in Wuppertal

17. Treffen der GEW Senior*innengruppe

Ende Februar ging es ins schmucklos wirkende Polizeipräsidium mit seiner wechselvollen Geschichte.
Eine Führung durch das Polizeipräsidium in Wuppertal

Foto: privat

Auch hier muss einmal geschrieben werden, dass wir Seniorinnen und Senioren in der GEW uns nun schon im 5. Jahr treffen zu unseren äußerst beliebten und erfolgreichen Veranstaltungen.
Vielen Dank an alle, die regelmäßig oder manchmal mitmachen. Auch „Neue“ sind immer willkommen.
Neben der politischen Bedeutung lohnt es sich auch deshalb nach dem Ausscheiden aus dem Dienst in der GEW zu bleiben. Wir treffen uns regelmäßig mit Gleichinteressierten und -gesinnten zu Unternehmungen verschiedenster Art wie zu Geschichte, Politik, Kunst, Natur, Umwelt…, immer mit kompetenten Führungen und nicht zuletzt mit vielen Gesprächen.        

Ende Februar ging es ins schmucklos wirkende Polizeipräsidium mit seiner wechselvollen Geschichte. Der Literatur- und Sozialwissenschaftler Michael Okroy von der Begegnungsstätte „Alte Synagoge“ brachte uns die verschiedenen Stationen der Geschichte in einer historischen Führung äußerst anschaulich und interessant dar.
Der graue Bau wurde Ende August 1939 eingeweiht, gebaut zwar in NS-Architektur, aber funktional mit Flachdach. Einige Bauhausmerkmale sind noch zu erkennen.        
Von Anfang an war es eine nationalsozialistische Verfolgungsbehörde mit 400 Dienstzimmern, 100 Zweckräumen, Festsaal und Hausgefängnis.
Während in den Dienstzimmern durch Denunziantentum und üble Verhöre die Verfolgung von Juden und politisch Missliebigen tägliche Praxis war, gab es im Festsaal Kammerkonzerte.       
Das Polizeipräsidium ist ein Täterort. Ein großes Wandbild „Die neue Zeit“, das wieder freigelegt wurde, zeigt die Machtsymbiose von SS-Wehrmacht-Polizei, wobei die Verschmelzung von politischer Polizei und Kriminalpolizei nicht mehr auf Recht und Ordnung basierte, sondern auf Volk und Rasse. Die Polizei schützte „fremdvölkische“ Menschen nicht. So nahm hier die Ermordung von 4000 ukrainischen Juden ihren Lauf und die Verfolgung und Ermordung vieler anderer.

1945 ist Wuppertal fast kampflos eingenommen worden. Das Polizeipräsidium wurde Hauptquartier der britischen Militärregierung
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Nach dem kalten Hungerwinter 1946/47 versammelten sich vor dem Haus im März 1947 30000 Teilnehmer zu einer Hungerdemonstration.In der ersten Etage gab es auch Entnazifizierungsprozesse, aber auch gute Verteidiger für die Nazis, die selbst eine nationalsozialistische Vergangenheit hatten wie viele Juristen bis in die 1970-er Jahre.

Der große Saal wurde ab den Fünfzigerjahren für Kulturveranstaltungen und Versammlungen genutzt. Einige Kolleg*innen erinnerten sich auch, hier ihre Vereidigung als Beamte bei Dienstantritt erlebt zu haben oder Personalversammlungen. Das Polizeipräsidium diente auch zeitweise als Rathaus, Einwohnermeldeamt, Standesamt, Kulturamt, Schulamt.

Heute ist das Polizeipräsidium mit Wache, Arrestzellen, Kriminalpolizei, Polizeipräsident und anderen Dienststellen eine Behörde, die von außen spröde, eine wechselvolle Geschichte in sich birgt.

Vor der Besichtigung gab es natürlich auch den Anteil für Gespräche und Genuss. Wir besuchten das „Café Negev“ mit koscherem Mittagessen und Kaffee und Kuchen bei der neuen Synagoge, die wir aber leider nicht besichtigen konnten. Aber das wäre vielleicht ein Programmpunkt für eine der nächsten Veranstaltungen.

Birgit Wernecke und Inge Hanten