GEW fordert echte Ganztagsgrundschule für Wichlinghausen

Offener Brief an den Schulausschuss

In Wuppertal-Wichlinghausen soll eine neue Grundschule errichtet werden. Die GEW Wuppertal begrüßt dieses Vorhaben, steigen doch die Schülerzahlen in diesem Stadtteil in den nächsten Jahren deutlich an. Die Bildungsgewerkschaft schlägt nun vor, diese neue Grundschule als echte Ganztagsgrundschule zu planen.

Foto: pixabay

Bisher gibt es in Wuppertal nur „offene Ganztagsgrundschulen“. Das bedeutet, dass nur ein Teil der Kinder über den normalen Schultag hinaus bis 16 Uhr betreut werden kann. Nachteil ist, dass längst nicht jedes Kind der Schule den Platz im Ganztagsbereich bekommt und der Grundschulunterricht und Betreuung im Ganztag nicht gut miteinander verbunden werden können. Das alles ist in einer gebundenen Ganztagsgrundschule anders.

Dort läuft die Schule für alle Kinder den ganzen Schultag und der dauert mindestens von 8-15 Uhr an drei Tagen in der Woche. Dafür erhalten die Schulen einen Zuschlag von 20% mehr Lehrerstellen. Das alles ist für die Eltern kostenfrei. Zusätzlich können für die Familien, die das möchten, freiwillige Angebote eingerichtet werden, um eine Betreuungszeit an allen Tagen bis 16 Uhr zu gewährleisten. Nur für diese zusätzlichen Angebote können dann Elternbeiträge erhoben werden, ähnlich wie an den offenen Ganztagsgrundschulen, sicher aber deutlich niedriger. Die Eltern und wahrscheinlich auch die Stadt würden sogar finanziell durch dieses Modell entlastet.

Gute Argumente für den gebundenen Ganztag
Und es gibt weitere gute Argumente für eine echte Ganztagsgrundschule. Der Unterrichtstag könnte z.B. in einem kindgerechteren Rhythmus organisiert werden, da für alle Schülerinnen und Schüler der Unterrichtstag verlässlich bis 15 Uhr dauert und z. B. die Sport- oder die Kunststunde oder auch der Förderunterricht auch mal am Nachmittag statt. In einer offenen Ganztagsgrundschule hingegen muss der gesamte Unterricht im Vormittagsbereich abgedeckt werden. Kinder aus weniger bildungsorientierten und finanzschwächeren Elternhäusern haben an einer gebundenen Ganztagsgrundschule, die bis zum Nachmittag pädagogische sowie außerunterrichtliche Angebote für alle Kinder anbietet, deutlich bessere Bildungschancen.

In einer offenen Ganztagsgrundschule können in der Regel nur die Kinder an zusätzlichen außerunterrichtlichen Angeboten teilnehmen, deren Eltern auch nachweisen können, dass sie aus beruflichen oder familiären Gründen einen Platz im offenen Ganztag brauchen. Dafür gibt es klare Kriterien, die aber leider viele Eltern in Wichlinghausen gar nicht erfüllen können, weil sie zum Beispiel seit längerem arbeitssuchend sind. Deren Kinder haben dann kaum Chancen auf einen Platz im offenen Ganztag.

Das alles sind gute Gründe, die neue Grundschule in Wichlinghausen als gebundene Ganz-tagsschule zu gründen. Die GEW Wuppertal hat das jedenfalls der Stadt in einem offenen Brief vorgeschlagen und ist gespannt auf hoffentlich positive Reaktionen.