Schulöffnung der weiterführenden Schulen & Berufskollegs

Bedingungen müssen optimiert werden

Die Bedingungen, unter denen die Schulen am 23. April öffneten, sind leider alles andere als optimal gewesen. Hier müssen Ministerium und Schulträger nachbessern.
Schulöffnung der weiterführenden Schulen & Berufskollegs

Foto: Alexander Paul Englert

Seit gut 10 Tagen sind die weiterführenden Schulen und die BKs wieder für die Abschlussklassen geöffnet. Am 6. Mai beraten die Ministerpräsident*innen darüber, wie es weiter geht. Nach den Erfahrungen der Grundschulen mit den Schulmails am 30.4.2020 müssen wir leider erneut mit schlecht durchdachten Schnellschüssen rechnen.

Rückmeldungen der Schulen

Wir haben uns nach den Öffnungen ab dem 23. April in den Schulen umgehört und dieses Bild gewonnen. Insgesamt wurde der Schulstart gut angenommen, im Schnitt waren ca. 2/3 der Schüler*innen da, wobei es starke Schwankungen gab je nach digitalem Angebot der Schule. Einzelne Schulen konnten erst am Freitag/Montag öffnen, da die hygienischen Vorkehrungen mit dem Schulträger noch nicht abgeschlossen waren.

Die Bedingungen, unter denen die Schulen am 23. April öffneten, sind leider alles andere als optimal gewesen:

  • Die personellen Ressourcen (Ausfall Kranke, Risikogruppen, EZ etc.) schwanken, im Schnitt liegen sie bei ca. 70 % des Kollegiums.
  • In der Regel ist eine Halbierung der Lerngruppen – wie das MSB sie vorsieht - ohne Missachtung der Hygienerichtlinien bei den gegebenen Klassenraumgrößen nur selten möglich. Normalerweise liegt der Schlüssel bei 7 bis 10 Schüler*innen pro Raum.
  • Mit den derzeitigen Vorgaben und den personellen und räumlichen Ressourcen erscheint es möglich, maximal zwei Jahrgängen gleichzeitig zu beschulen, an Tagen, an denen Prüfungen abgenommen werden in der Regel maximal einen weiteren Jahrgang.
  • Es deuten sich bereits jetzt größere Probleme auf dem Schulweg an. Die Hygienemaßnahmen in der Schule sind umsonst, wenn schon bei der Anreise die Sicherheitsabstände nicht eingehalten werden können. Im Normalbetrieb waren zuletzt viele Busse schon so voll, dass sie teilweise Haltestellen ausließen und keine neuen Passagiere mehr mitnehmen konnten. An vielen Standorten gibt es zwei oder mehr Schulen in naher Nachbarschaft.
  • Nicht in allen weiterführenden Schulen ist von allen Räumen ein guter Zugang zu fließendem Wasser gewährleistet, die Toilettensituation war schon vor der Schulschließung in vielen Gebäuden eine Katastrophe und ist unter den gegebenen Bedingungen kaum mehr tragbar.
  • Die mangelnde Ausstattung durch den Schulträger wurde vielerorts durch Eltern oder Fördervereine ausgeglichen. So wurden Masken und Desinfektionsmittel regelmäßig nicht vom Schulträger gestellt, sondern auf teils abenteuerlichste Weise beschafft.
  • Auch Ausstattung zum digitalen Lernen wurde teils von Eltern oder Dritten (Gratisangebote), ansonsten in ganz erheblichem Maße von den Kolleg*innen gestellt.

Für die Ausdehnung des Unterrichts auf weitere Jahrgangsstufen fordern wir von den Schulbehörden des Landes und den Schulträgern im Bergischen:

  • Einen ausreichenden Vorlauf, um die notwendigen Anpassungen im Hygienekonzept der Schulen vorzunehmen und einen Plan mit dem Schulträger für die sichere Anreise, auch ggf. durch versetzte Anfangszeiten, zu erarbeiten. Dies geht erst sinnvoll, wenn alle wissen, welche Schüler*innen ab wann wohin fahren müssen!
  • Den Ersatz der aufgrund von Alter/Risikofaktoren ausfallenden Kolleg*innen durch befristet Beschäftigte mittels eines Sondertopfes der Vertretungsmittel des Landes NRW. Dies bindet auch die ausscheidenden Referendar*nnen vor Ort.
  • Eine Ausstattung des ÖPNV, mit der auch zu Stoßzeiten die Sicherheitsabstände eingehalten werden können. Verhaltensregeln für Schüler*innen wie „Vermeidet Gedränge beim Ein-/Ausstieg und an Haltestellen“ sind ein Hohn. Es muss Rahmenbedingungen geben, dass es gar nicht erst zu Gedränge kommt.
  • Die Schulen müssen sofort mit ausreichend dezentral gelegenen Waschmöglichkeiten und Toiletten mit moderner Sanitärausstattung (notfalls durch mobile Lösungen) sowie mit Desinfektionsmittel samt Spendern ausgestattet werden, so wie es die Schulmail 15 vorsieht.
  • Da wo die Schulleitungen aufgrund ihrer Risikoanalyse zu dem Ergebnis kommt, dass der Sicherheitsabstand nicht sicher einzuhalten ist, müssen nach den Arbeitsschutzstandards des Bundesministeriums für Arbeit Masken gestellt werden.
  • Die Kolleg*innen brauchen Rechtssicherheit beim Distanzlernen. Neben der Datenschutzproblematik sind sie teilweise verunsichert durch das zuletzt strikte Vorgehen gegen die Annahme von Unterrichtsmaterialen von Dritten („Vorteilnahme im Amt“). Es muss dringend eine klare Stellungnahme des Dienstherrn zum Datenschutz und über Does und Don’ts geben!

Wir bleiben dran!