Gesamtschule feiert Geburtstag – ohne Geschenke

Gesamtschultag beleuchtet Geschichte und Perspektiven

Die GEW NRW feiert mit dem Gesamtschulverband GGG und sieben Gründungsschulen. Die Bedingungen an den Gesamtschulen aber sind nicht hinnehmbar. Gemeinsam richten wir Forderungen an die Landespolitik.
Gesamtschule feiert Geburtstag – ohne Geschenke

Foto: CL/photocase.de

Vor 50 Jahren wurde in NRW die Gesamtschule eingeführt. Bekanntermaßen sollen Feste gefeiert werden, wie sie kommen. Doch nicht immer ist man in Feierlaune. Am Anfang standen sieben Gründungsschulen, die in diesem Jahr ihr rundes Jubiläum feiern. Die GEW NRW möchte diesen Schulen herzlich gratulieren, denn sie stehen stellvertretend für die Ideen der Gesamtschule – Vielfalt und Leistung! Die Vielfalt wird nicht nur geografisch deutlich: Vom Münsterland über das Ruhrgebiet bis ins Sauerland haben es die Gründungsschulen geschafft, die Idee einer Schule der Vielfalt in der Bildungslandschaft zu etablieren. Auch in ihren Ausrichtungen sind die Schulen sehr heterogen: von der bischöflichen Gesamtschule bis zur Sportschule sind verschiedene pädagogische Schwerpunkte vertreten. Diese Vielfalt widerzuspiegeln war das Anliegen der GEW NRW, die einen Film zu den sieben Schulen produzieren ließ. Mit dem Film geben wir einen Einblick in die Schulen: Es zeigt sich, dass die Gesamtschule ihre Vielfalt als Chance begreift!

Ein Erfolgsmodell auf tragischem Weg?

Das Experiment Gesamtschule ist eine große Errungenschaft, die teuer auf dem Rücken der Kolleg*innen vor Ort erkauft wird. Das Versprechen der Gesamtschule, eine Schule für alle Schüler*innen, eine Schule der Vielfalt zu sein, wird tagtäglich von Kolleg*innen vor Ort eingelöst, obwohl die Bedingungen es kaum noch zulassen. Es wird Zeit, dass die Landesregierung die Rahmenbedingungen für die Gesamtschulen verbessert. Zu keiner Zeit haben die Gesamtschulen die notwendige Unterstützung erhalten. Im Gegenteil: Ob Abschulung, Inklusion oder Heterogenität der Schüler*innenschaft, die Gesamtschule wird immer wieder mit Herausforderungen konfrontiert – die Unterstützung bleibt aus. Dringender könnte der Handlungsbedarf an den Gesamtschulen also kaum sein. Auf erstaunliche Art gehen die Kolleg*innen mit den Herausforderungen um – oft zum eigenen Leidwesen. Diese Belastung wird kaum beachtet. Daran muss sich dringend etwas ändern, damit das vermeintliche Erfolgsmodell Gesamtschule nicht zu einer modernen Tragödie wird.

Jetzt Handeln heißt Zukunft gestalten

Die GEW NRW hält die Bedingungen an den Gesamtschulen für nicht länger tragbar und fordert die Landesregierung zum Handeln auf! Zusammen mit der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule GGG hat die GEW NRW anlässlich der Jubiläumsfeier am 19. November 2019 die Dortmunder Erklärung verfasst und darin die wichtigsten Forderungen festgehalten. Leitgedanke ist das Ende der Benachteiligungen der Gesamtschule. Endlich müssen Bedingungen geschaffen werden, in denen es möglich wird, das Versprechen der Gesamtschulen einzulösen, ohne die Kolleg*innen mit zu vielen Aufgaben zu konfrontieren. Dazu gehört aus der Sicht der GEW NRW und GGG, dass die Abschulung von Schüler*innen beendet wird, dass die Lehrer*innenversorgung an allen Schulen gewährleistet wird und dass Inklusion eine Aufgabe aller Schulformen sein muss. Deshalb fordert die GEW NRW die Landesregierung auf, endlich die Lehr- und Lernbedingungen an den Schulen zu verbessern. Dazu gehören ein schulscharfer Sozialindex sowie die Einstiegsbesoldung A13 Z/ EG13 für alle!

Kenneth Rösen, Experte für Schul- und Bildungspolitik der GEW NRW