Neuigkeiten 29.08.2025

GEW Wuppertal: Schulstart mit enormen Hindernissen

Lehrkräftemangel weitet sich aus

Schulstart mit erheblichem Lehrkräftemangel und beengten oder maroden Schulgebäuden

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Der Schulstart ist grundsätzlich eine spannende Zeit, in der die Wiedersehensfreude überwiegt. Doch auch dieses Jahr bleibt er zu oft von erheblichem Lehrkräftemangel und beengten oder maroden Schulgebäuden geprägt.

Wuppertaler Grundschulen arbeiten teilweise mit einer Personaldecke von lediglich 85 Prozent. Darunter fast 350 Vertretungskräfte ohne abgeschlossene Lehramtsausbildung und mit befristeten Verträgen, was häufig zu Wechseln und Unterbrechungen führt. Die Einarbeitung muss das vorhandene Restkollegium schultern. Immer mehr Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, darunter viele mit geistigen Beeinträchtigungen, sitzen in viel zu großen Grundschulklassen, weil die Förderschulen restlos überbelegt sind. Doch Sonderpädagog*innen sind absoluter Mangel. Die Förderung dieser Kinder bleibt damit unverantwortlich auf der Strecke.

Kinder mit Förderbedarf ohne Sonderpädagog*innen

Die Situation droht sich zu verschärfen: Ab dem nächsten Schuljahr sollen alle Grundschulen Schulen des gemeinsamen Lernens werden, da der Ausbau der Förderschulen nicht zügig voranschreitet. Dazu Richard Voß vom Leitungsteam der GEW Wuppertal: „Die Schulen erhalten das Label „Schule des gemeinsamen Lernens“. Die wenigen Sonderpägagog*innen werden dann zu Lasten der Schulen, die bereits Schulen des gemeinsamen Lernens sind, neue Schulen mitbetreuen müssen.“

Auch an Förder-, Haupt- und Realschulen sieht es nicht besser aus. Im Durchschnitt sind an Wuppertaler Förderschulen nur rund 78 Prozent der Stellen besetzt. Alle Schulformen müssen Aufgaben mit Personal stemmen, das oft keine Lehramtsausbildung hat, häufig mit befristeten und unsicheren Verträgen. Das erhöht die Belastung der Kollegien deutlich; viele Schulen berichten von steigender Krankheitsquote und langfristigen Ausfällen.

“Abschulung" muss verhindert werden

Die Wuppertaler Hauptschulen stehen erneut vor der Herausforderung, bis zu fünf neue Klassen im Jahrgang 7 mit Schüler*innen zu bilden, die die Realschule verlassen mussten. Ähnlich geht es den Realschulen, die viele Schüler*innen im Jahrgang 7 von den Gymnasien auffangen müssen. Das ist unhaltbar für betroffene Schulen und Kinder. Die GEW fordert daher, den Schulen die nötigen Ressourcen zuzuweisen, damit alle Kinder, die in der 5. Klasse gestartet sind, mit angemessener Förderung zu einem Schulabschluss an ihrer Schule geführt werden können.

2026 drohen weitere Lücken 

Mit Sorge blickt die GEW schon jetzt auf 2026, weil weitere Lücken vorprogrammiert sind. Dann werden landesweit etwa 2000 Lehrkräfte, die an den Gymnasien eingestellt, aber zur Hälfte auch an Grund-, Förder- und Gesamtschulen sowie an Schulen der Sekundarstufe I, eingesetzt wurden, wie geplant an die Gymnasien wechseln. Sie werden dort dringend wegen des zusätzlichen 13. Jahrgangs gebraucht, der durch die Umstellung auf das Abitur nach 9 Jahren entsteht. 

Die vielen Abordnungen aufgrund des Lehrkräftemangels an allen Schulformen stellen die Schulen vor große Herausforderungen und nicht zuletzt sind die Folgen für viele Lehrkräfte fatal, müssen sie doch oft weitere Wege auf sich nehmen mit längeren Fahrzeiten, was die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erschwert und die Attraktivität des Berufes gerade für junge Menschen reduziert. 

Wegen der angespannten Raumsituation bleibt zu hoffen, dass nach Jahren des Stillstands, endlich gebaut und saniert wird. Die GEW bleibt skeptisch, ob es tatsächlich gelingt, für den Schulbau diese Priorität festzuzurren.

Kontakt: Richard Voß, Tel. 0163 29 82 740